Industrie 4.0 ist seit mehreren Jahren in aller Munde. Die Digitalisierung in der Fertigung bringt immer mehr die Sicherheit der technologischen Infrastruktur auf die Agenda. Doch wie sieht es um die Sicherheit außerhalb der digitalen Industrienetze aus?
Beispielsweise haben sich die Anforderungen an ein Flachdach in der Industrie und in den letzten Jahren gewandelt. Während früher von einem Industriedach in erster Linie Wetterschutz erwartet wurde, dient das Dach heute immer mehr als industrielle Nutzfläche.
Effiziente Dachnutzung ist ein brachliegendes Potenzial
Für viele Industrieunternehmen bietet das Dach zusätzliche Möglichkeiten zur geschäftlichen Nutzung. Folgend ein Überblick der möglichen Nutzungsmöglichkeiten:
– Energiegewinnung mittels Solaranlage-Module auf dem Dach (Photovoltaik)
– Wärmegewinnung mittels Solarthermie
– Lüftungsanlagen zur Gesundheits- und Hygienevorsorge sowie zum Arbeitsschutz
– Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) zum Brandschutz
– Umweltbeitrag mittels Dachbegrünung zur Schaffung von Ersatzlebensräumen
– Platznutzung zur Anbringung von Klimaanlagen für ein sommerfreundliches Arbeitsumfeld
– Unterbringung von wetterbeständigen Spezialmaschinen, z.B. Nutzungsfläche für ein Notstromaggregat
Verbreitet ist die Nutzung des Industriedachs zur Energiegewinnung. Immer mehr findet sich die Dachbegrünung auf der Agenda von Industrieunternehmen, oft auch ausgelöst durch die CSR-Verantwortlichen (Corporate Responsive Sociabilty).
Nicht nur auf Industriedächern lassen sich Ersatzlebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen. Jedes Unternehmen könnte für die Schaffung von neuen Lebensräumen, die auch gleichzeitig zur Wasserspeicherung und Luftfilterung dienen, den Firmen-Vorgarten oder den Innenhof nutzen, und gleichzeitig die Erholungsqualität in den Mitarbeiterpausen erhöhen.
Durch neue Markterschließungen und dem bei gesunden Unternehmen stets vorhandenen Wachstum sind Nutzungs- und Lagerflächen stets ein mangelndes Gut. Die Anbringung von Klimaanlagen kann als Vorbild genutzt werden, um wetterbeständige Spezialmaschinen clever unterzubringen. Die Digitalisierung benötigt immer mehr Rechnerkapazitäten und oft wachsen hierdurch auch die hausinternen Rechenzentren. Hierfür wird auch der Kapazitätsbedarf für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung immer größer. Um den Betrieb von sensiblen Anwendungen und einer großen Rechnerumgebung sicherzustellen, wird ein platzintensives Notstromaggregat benötigt wird, welches mit Diesel losgelöst von Strom, Produktivitätsausfälle vermeiden kann.
Ein höherer Dachnutzungsgrad erfordert bessere Sicherheitsvorrichtungen
Durch die erweiterte Nutzung von Industriedächern hat sich die Dachbegehung erhöht. Da zwischenzeitlich mehrere Personen über das Jahr hinweg auf das Dach gehen müssen, ist auch die Dachabsturzsicherung dem Nutzungsgrad und dem Betrieb auf dem Industriedach anzupassen.
Wie aus früheren klassischen Dachnutzungszeiten gewohnt, indem lediglich die Dachdecker und die Schornsteinfeger die Dachhoheit für Ihre Wartungsarbeiten hatte, sind diese längst nicht mehr alleine auf dem Dach im Dienst. Teilweise müssen ungeübte und oft auf nicht trittfeste Servicekräfte auf die Industriedächer. Solarteure, Elektriker, Anlagentechniker und viele andere Gewerke führen auf dem Dach Installationen und Wartungen durch. Diese veränderte Nutzung erfordern neue Konzepte für die Dachsicherheit.
Dachsicherung aus der Vergangenheit, als das Industriedach noch klassisch zum Wetterschutz diente
In den neunziger Jahren wurden Dächer in der Regel durch Einzelanschlagpunkte gesichert. An diesen Anschlagpunkten kann sich ein Handwerker mit einer persönlichen Sicherheitsausrüstung anseilen und Arbeiten ausführen. Die Anzahl der Handwerker ist durch dieses System auf zwei begrenzt. Für diese Nutzung ist ein Sicherheits- und Rettungskonzept erforderlich. Insbesondere eine schnelle Rettung bei einem Sturz muss jederzeit und an jedem Ort gewährleistet sein. Eine jährliche Wartung solcher Dachabsicherungen ist vorgeschrieben.
Auch die Dachabsturzsicherung unterliegt dem Wandel der Zeit
Die Bewegungsfreiheit ist auf dem Dach durch veraltete Dachabsicherungssysteme stark eingeschränkt. Bei der heutigen intensiven und multifunktionalen Nutzung der Dachfläche wird viel stärker auf einen Kollektivschutz gesetzt. Eine kollektive Dachabsicherung von Industriedächern erfordert ein Geländersystem welches entweder schon bei der Bauphase eingeplant oder nachträglich, durchdringungsfrei auf das Dach gestellt.
Die Geländersysteme haben den Vorteil dass sie wartungsfrei sind. Eine Sichtkontrolle reicht in der Regel aus. Die Anzahl der Personen auf dem Dach ist durch ein Geländersystem nicht beschränkt. Ein Absturzrisiko wird durch einen solchen Kollektivschutz deutlich minimiert.
Gesetzliches: Der Bauherr oder Betreiber eines Industriegebäudes ist in der Regel für die Sicherheit der Personen auf dem Dach verantwortlich. Schon aus diesem Grund ist es erforderlich dass Sicherheitsbeauftragte sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt die Dachsicherheit auf den Prüfstand zu stellen?
Im Rahmen Ihrer Bauplanung ist die Absicherung des Daches, auch aufgrund der gesetzlichen Anforderungen, ein Muss. Doch was ist mit Industriegebäude, die vor mehreren Jahrzehnten gebaut worden sind? Und was ist, wenn zu einem späteren Zeitpunkt Dachkomponenten ergänzt werden sollen? Grundsätzlich ist der richtige Zeitpunkt für eine Analyse gekommen, wenn eine Veränderung auf dem Dach geplant ist. Eine erste Planung der Dachabsicherung ist in der Regel mit Plänen oder Luftbildern möglich.
Beispiel: Vor der Installation einer Photovoltaik Anlage ist eine Planung eines Kollektivschutzes sinnvoll. Die kollektive Dachsicherung ermöglicht den frühzeitigen Schutz der Monteure in der Bauphase und erhöht zusätzlich die Sicherheit der Wartungsfirmen in der Nutzphase.
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