Wer denkt im digitalen Zeitalter noch an einen Tresor?

Tresor im digitalen Zeitalter?

Mit Sicherheit gibt es Branchen und Unternehmen bei denen schon längst ein Tresor oder mehrere Tresore vorhanden sind. Denkt man an die Tresor-Inhalte, so kommen sicherlich gleich der wertvolle Schmuck, eine große Menge an Bargeld, verschreibungspflichtige und hochwertige Medikamente oder auch Gold, beispielsweise in einem Dentallabor, in den Kopf. Doch wie sieht es mit Datenträger und Speichermedien aus? Und was sagt die EU-Datenschutz-Grundverordnung dazu?

Autor: Thomas W. Frick, 20. Dezember 2019, Thema: Tresore im digitalen Zeitalter

Tresor im cloudbasierten Zeitalter?

Ging Ihnen diese Frage bei der Einleitung von diesem Bewusstmacher durch den Kopf? Sie arbeiten in der Cloud und haben somit die Verantwortung an ein Rechenzentrum bzw. Ihren Service-Provider abgegeben? Der erste Impuls signalisiert vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen durch das Outsourcing der Datenspeicherung oder der gezielten Dienstnutzung ein „safe-sein“. Doch ist das wirklich so?

Tipp: USB-Sticks oder SD-Speicherkarten sind potenzielle Sicherheitslücken für Datenverluste, Datenklau oder Social Engeneering. Auch auf klassischen Datenträgern wie beispielsweise auf einer CD oder DVD können sensible Datenvorhanden sein.

ECM-Studie mit Erkenntnisse zur „on premise“ -Nutzung

Das untere Schaubild der Bitkom-Studie bestätigt den Trend: der Cloud immer mehr zu vertrauen. Allerdings wird beispielsweise bei Installationen von Enterprise-Content-Management-Systemen (vormals Dokumentenmanagementsysteme genannt) klar, dass immer noch 44 % der befragten Unternehmen auf eine Datenhaltung im eigenen Unternehmen setzen.

 

bitkom-studie-ecm-papierlos

Alles digital oder was?

Die Antwort lautet am liebsten ja, doch die Praxis sieht anders aus. Es gibt eine Vielzahl von Dokumentenarten die noch in Papierform vorkommen und sicher verwahrt werden müssen. Denken Sie in Bezug auf Datenschutz und Datensicherheit nicht nur an die digitalen Dateien, sondern auch an die analoge Welt der Papiere, die es zu sichern gilt oder auch vor der Sichtung von Unberechtigten zu schützen sind.

EU-Datenschutz-Grundverordnung Artikel 5

Wir zitieren an dieser Stelle den betreffenden Absatz im Artikel 5:

f ) Personenbezogene Daten müssen in einer Weise verarbeitet werden, die eine angemessene Sicherheit der personenbezogenen Daten gewährleistet, einschließlich Schutz vor unbefugter oder unrechtmäßiger Verarbeitung und vor unbeabsichtigtem Verlust, unbeabsichtigter Zerstörung oder unbeabsichtigter Schädigung durch geeignete technische und organisatorische Maßnahmen („Integrität und Vertraulichkeit“)

Digitale Datentresore

Ein digitaler Datentresor kann unterschiedliche Zwecke erfüllen. Auf unserem IT-Wegweiser haben wir z.B. von dem marktführenden Open Source Datentresor für Passwörter berichtet. Ebenso gibt es viele Anbieter, um eine digitale Tresorsicherheit in Anspruch zu nehmen, indem Sie beispielsweise physisch extern betriebene Festplatten in Ihren lokalen Dateiexplorer des Computers einbinden. Weiter gibt es zahlreiche „Software as a Service Lösungen“, beispielsweise mit dem Angebot einer Datenhaltung in der Schweiz mit den Argumenten der Bankensicherheit oder militären Sicherheit.

Analoge Tresore für digitale Inhalte

Für viele IT-Sicherheits- und Brandschutzbeauftragte ist die Notwendigkeit eines Datensicherungsschranks sicherlich nichts Neues. Zur sicheren Verwahrung von kleinen Wertsachen eignen sich kleinere Tresore bei denen jedoch folgende Sicherheitsrichtlinien gelten:

Einbruchschutz

Für den Privatgebrauch sind oft Tresore der VdS-Klasse 0 und 1 als Mindestabsicherung ausreichend. Der Versicherungsschutz liegt hier bei fachgerechter Montage zwischen 40.000 Euro und 65.000 Euro.

Tresore der VdS-Klassen 2 und 3 werden oft mit Summen zwischen 100.000 Euro und 200.000 Euro versichert. Ein Einbruch mit typischen Werkzeugen ist ab dieser Sicherheitsstufe nicht mehr möglich und erschwert den Dieben den Einbruch.

Die VdS-Klassen 4,5 und 6 vermeiden den Abtransport der Einbrecher und haben oft über 1.000 kg Leergewicht. Der Einbruchswiderstand ist zudem höher durch beispielsweise schlecht schweißbare Edelstähle oder Spezialfüllungen. Oft erfordern diese VdS-Klassen eine Zerstörung der Tresore, sodass der Inhalt auch in Mitleidenschaft gezogen werden könnte und für die Einbrecher nutzlos wird.

Tipp: Achten Sie auf die richtige Verankerung der Tresore, jeder VdS-Klasse. Einfache Verschraubungen beispielsweise im Holz reichen hier nicht aus. Selbst bei den Tresoren mit hohem Leergewicht ist eine massive Bodenverankerung zu empfehlen.

Brandschutz

Ergänzend zum Einbruchschutz ist auf den Brandschutz zu achten. Der Brandschutztest erfolgt mit einer maximalen Temperatur bei 1080 °C und dauert aufgrund der Aufheiz- und Abkühlphase über mehrere Stunden. Die relevanten Brandschutzklassen werden anhand der Minuten bei Höchsttemperatur im Brandofen unterschieden. Die Beständigkeit wird zum einen über 60 Minuten (S 60) und zum anderen über 120  Minuten (S 120) getestet.

Tipp: Nur die auf der Türinnenseite angebrachte Plakette eines zugelassenen Instituts kann dem Nutzer die erforderliche Sicherheit nachweisen

 

Wertschutzräume, die großen Geschwister der Tresore

Wertschutzräume, die umgangssprachlich häufig als Werträume bezeichnet werden, ziehen in immer mehr Betrieben ein. Doch warum? Der große Bruder des Tresors bietet mehr Platz und hat in der Folge auch einen anderen Inhalt zu verwahren als der Tresor. Die Unterscheidung ist simpel: Im Tresor ist Platz für Geld, Papiere, Bilanzen, Festplatten und weitere handliche Dinge. Im Wertschutzraum lassen sich sowohl Archive unterbringen, die einen größeren Platzbedarf haben, als auch Gesetze umsetzen, die beispielsweise für die Verwahrung von Waffen oder Arzneimitteln gelten. Informationen zur Projektierung und Planung eines Wertschutzraums haben wir in diesem Ratgeber für Wertschutzräume in Betrieben gefunden.

Der rechtliche Rahmen eines Wertschutzraums

Ausschlaggebend für die Klassifizierung und Auszeichnung von Wertschutzräumen sind die DN 1143-1, die die Basis für die VdS-2450 und die ECB-S C 01 bildet. Die VdS-2450 umfasst Richtlinien für Wertschutzschränke, Wertschutzräume und Wertschutztüren. Die Richtlinien zur ECB-S-Zertifizierungen sind umfangreich und online dokumentiert. Zur Ersteinschätzung helfen diese Werte:

  • Nach VdS gibt es die Sicherheitsstufen 0, 1, 2, 3, 4, 4 KB, 5, 5 KB, 6 und 6KB. Nach der jeweiligen Sicherheitsstufe richtet sich auch die Versicherungsbarkeit, die für die gewerbliche Nutzung bei 10.000 Euro beginnt und bis 500.000 Euro reicht.

  • Nach ECB S beginnen die Klassen, für die auch in Gewerbebetrieben eine Absicherung möglich ist, mit der Klasse 0 (N) und mit einer möglichen Versicherungssumme von 20.000 Euro. Die höchste Klasse ist die VI (KB), die bis zu einer Million Euro versicherbar ist.

Kommentar hinterlassen zu "Wer denkt im digitalen Zeitalter noch an einen Tresor?"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*