Lieber Reißverschluss, herzlichen Glückwunsch zum 122. Geburtstag

Ein Reißverschluss ist das normalste der Welt. Simpel, praktisch. Die meisten jungen Menschen würden einen vermutlich auslachen, wenn man ihnen erzählte, dass der Reißverschluss einen langen Weg hinter sich hat. Er wurde nicht erfunden und hat dann einfach funktioniert – auch wenn uns das angesichts der heutigen technischen Möglichkeiten lächerlich vorkommen mag. Denn alles hat eine Geschichte, eine Entwicklung durchlaufen. Sowohl unsere heutige Industrie als auch der ach so simple Reißverschluss.

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Dass ich Ihnen diese Geschichte überhaupt erzählen kann, liegt an einer weiteren Errungenschaft, die erst erfunden werden musste – dem Internet, das wir der digitalen Revolution zu verdanken haben. Dort recherchiere ich auf Wikipedia, was es zu diesem praktischen Gegenstand des Alltags zu erzählen gibt und noch viel wichtiger – dank dem Web 2.0, das uns alle sowohl zu Konsumenten als auch zu Produzenten macht, kann ich es mit Ihnen teilen.

Die Geschichte des Reißverschluss’

Was haben die Menschen eigentlich gemacht, um ihre Jacken, Hosen und sonstigen Kleidungsstücke zu verschließen, bevor es den Reißverschluss gab? Sie nutzten etwas, das für uns heute vorrangig als Accessoire durchgeht – Schnüre, Bänder und natürlich Knöpfe. Verspielt verzieren sie Oberbekleidung, in der Regel die für Frauen. Denn Hosen werden heutzutage vor allem von Reißverschlüssen zusammengehalten und eher seltener von Knöpfen. Wenn dies der Fall ist, ist der Knopf oft sichtbar, Teil des Designs.
Den ersten Versuch, einen Reißverschluss zu etablieren, unternahm Elias Howe im Jahre 1851. Leider war das gute Stück da noch nicht praktikabel. Die erste Lösung, die auch in der Praxis tatsächlich eingesetzt werden konnte, stammt von Whitcomb Judson aus dem Jahre 1890. Zum Patent angemeldet hat er seine – für die damalige Zeit – revolutionäre Erfindung im Jahre 1893, dem offiziellen Geburtsjahr des Reißverschlusses. Die entsprechende Maschine, die er zur Produktion seiner Erfindung verwenden wollte, hatte er im Jahr 1905 fertig gestellt. Diese lieferte aber trotz praktikabler Idee kein praktisch verwendbares Ergebnis. Erst Gideon Sundbäck schaffte es 1912 seine Kunden dank einiger Modifizierungen zufrieden zu stellen. Daraufhin erwarb Martin Othmar Winterhalter das Patent für Europa und ersetzte die Kügelchen und Klemmbacken durch die heute noch üblichen Rippen und Rillen und nannte ihn passend dazu „RiRi“. Auch seine Firma trug diesen ungewöhnlichen Namen und stellte die ersten serienmäßig gefertigten Reißverschlüsse der Welt her.

Industrie und Revolution

Auf Schnüre, Bänder und Knöpfe wären wir auch heute noch angewiesen, hätte uns ein berühmter Mann nicht die Serienproduktion beschert und mit seiner Erfindung die Industrie revolutioniert sowie die Weltgeschichte maßgeblich beeinflusst – die Rede ist natürlich von Henry Ford. Der Mann, nach dem eine ganze Epoche benannt wurde. Im Fordismus – der zweiten industriellen Revolution, nach der Mechanisierung mit Wasser- und Dampfkraft – erfuhr die Organisation von Arbeit und Kapital eine grundlegende Umstrukturierung, da es zum ersten Mal möglich war Waren massenhaft zu produzieren. Darauf folgt die bereits erwähnte digitale Revolution, die nun in die vierte industrielle Revolution mündet, kurz Industrie 4.0.

So ist, was auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun hat, doch untrennbar miteinander verwoben: Die industrielle Revolution und der so bedeutungslos erscheinende Alltagsgegenstand Reißverschluss.